Wie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer gewinnen wollen
Horst FischerWie ARD und ZDF mit persönlichem Storytelling junge Zuschauer gewinnen wollen
ARD und ZDF setzen auf neue Wege, um junge Zuschauer zu erreichen
Die öffentlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF verändern ihre Strategie, um jüngere Zielgruppen besser anzusprechen. Neue Reportageformate setzen verstärkt auf persönliches Storytelling, bei dem die Reporter:innen im Mittelpunkt stehen. Dieser Wandel bedeutet einen Abschied von der traditionellen journalistischen Neutralität – stattdessen soll eine tiefere emotionale Verbindung zu jungen Zuschauer:innen entstehen.
Eine aktuelle Studie untersucht fünf Formate, die diese Entwicklung prägen: VOLLBILD, exactly, Ultraviolett stories, Crisis – Hinter der Front und PULS Reportage. Alle nutzen eine ich-perspektivische Erzählweise, bei der die Gefühle und Sichtweisen der Reporter:innen die Geschichte vorantreiben. Junge Zuschauer empfinden diesen Stil oft als authentischer und vertrauenswürdiger – gerade weil er subjektiv und nahbar wirkt.
Doch der Ansatz hat auch Schwächen. Dominiert die Stimme der Reporter:innen zu stark, rückt das eigentliche Thema in den Hintergrund. Manche Formate kämpfen zudem mit einer unklaren Positionierung oder schaffen es nicht, tiefgründige investigativ-journalistische Arbeit zu leisten. Erste Anzeichen deuten sogar darauf hin, dass junge Zuschauer:innen das Interesse an wiederholten "Ich-zentrierten" Erzählweisen verlieren könnten.
Der Trend zum persönlichen Storytelling scheint unumkehrbar. Nun müssen die Sender sicherstellen, dass ihre Formate Authentizität mit solider Berichterstattung verbinden. Andernfalls riskieren sie, genau die Zielgruppe zu verlieren, die sie gewinnen wollen.
Die Herausforderung für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk Wie lassen sich junge Zuschauer:innen begeistern, ohne journalistische Standards aufzuweichen? Der Erfolg der neuen Formate hängt davon ab, ob es gelingt, packende Geschichten zu erzählen, ohne die Fakten zu überlagern. Wie die Sender diese Gratwanderung meistern, wird die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Jugendprogramms entscheiden.






